Wir haben wieder Wahlzeiten…

Der aufmerksame Beobachter der IDW-Aktivitäten für den WP-Mittelstand lässt uns dies vermuten. Wir freuen uns über jeden produktiven Beitrag für den WP-Mittelstand, aber bitte nach den Wahlen nicht wieder in den Schlafmodus übergehen. 

 

Auf Ihren letzten IDW-Mittelstandstag im September machte sich das IDW für die Skalierung stark. wp.net und unser ISA-Fachmann Dr. Wittsiepe bekamen vom IDW-Chef eine Schelte wegen ihres Einsatzes für die ISA-Prüfung. Diesen Einsatz soll der IDW-Sprecher mit den Worten kommentiert haben: „Ein Herr Wittsiepe und wp.net fordern die ISA. Die Leute wissen gar nicht, was sie unserem Berufsstand damit antun.“ Wollte sich das IDW damit für einen Aufsatz von Dr. Wittsiepe in WP Praxis 1/2021 revanchieren? In seinem Aufsatz "Wirecard und die Frage einer ordnungsgemäßen Abschlussprüfung" kommt Dr. Wittsiepe u.a. zum Ergebnis, dass bei der PS-Prüfung veraltete Standards angewendet werden, die wegen erheblicher Lücken in der Risikoanalyse ein erhöhtes Prüfungsrisiko darstellen.

 

Hat sich das IDW mit ihrem ISA-Übersetzungsrecht übernommen?

Eines steht für mich fest: Bei den IDW Prüfungsstandards sind unsere Forderungen zur Skalierung weder bei der Abschlussprüfung, noch bei der Qualitätskontrolle angekommen. Dagegen sind bei den Original-ISAs die Hinweise zur Skalierung fester Bestandteil eines jeden Standards. Und die ISAs haben sehr viele Skalierungsvorschläge. Auf der Basis des ISA 315rev2019 haben die Skalierungshinweise einen Umfang von 19 Seiten. Anm.: wp.net-Mitglieder erhalten die Skalierungsliste im Mitgliederbereich. 

 

Wir müssen in jüngster Zeit immer öfters erkennen: Das IDW kommt einer zeitnahen ISA-Übersetzung nicht nach. Kann man daraus eine ablehnende Haltung der ISAs erkennen?

 

Die Big4-Praxen haben anscheinend schon vor Einführung der Schwerpunktprüfung (Satzung aus 2019) bei ihren Qualitätskontrollen (QK) die 1-Promille-Auftragsprüfung praktiziert. Bis zur Satzung fQK 2019 hatte das IDW fast zwei Jahrzehnte lang die "selbsternannte" fachliche Federführung bei der Qualitätskontrolle inne. Auch heute noch lese ich in QK-Berichten, dass die QKen auf Basis des IDW PS 140 durchgeführt wurden. Dies ist seit 2019 nicht mehr richtig. Die IDW-PS-Regeln kommen bei der QK nur ergänzend zur Anwendung. Dies ist dann der Fall, wenn Gesetz, Satzung f. QK und die Hinweise der KfQK keine Lösung anbieten. Bei der letzten Satzungsänderung 2019 hat der Beirat die IDW-Regeln für die Qualitätskontrolle einen Rang heruntergestuft. 

 

Wir von wp.net halten die "1 Promille-Qualitätskontrolle" bei den Big4-Gesellschaften in Verbindung mit einer Mischung aus Zufallsauswahl und bewusster Auswahl für keine richtige Vorgehensweise, um mit einer "Auftragsstichprobe" von 40 bis 50 Prüfungen eine hinreichende Prüfungssicherheit über eine Grundgesamtheit von 30.000 bis 40.000 Prüfungen zu erhalten. Hier wäre auch die APAS einmal gefordert! Hat diese Zurückhaltung etwas mit der Beißhemmung zu tun?

Hinweis: Auf der IAASB-Website können die drei IAASB-Handbücher mit allen aktuellen Standards heruntergeladen werden.

 

Geldwäsche bleibt ein Dauerbrenner – auch für wp.net

 

Der Worte sind genug geschrieben, wir brauchen tatkräftige Unterstützung. Deswegen steht beim nächsten wp.net-Online-Mitglieder-Meeting am 5.11. die Geldwäsche-Prävention wieder auf der Tagesordnung.

 

Wir präsentieren unser „frisch gebackenes“ Handbuch zur Geldwäscheabwehr und erläutern die Inhalte. Dieses soll den Anwendern dabei helfen, die vielfältigen Aufgaben und die  Dokumentation bei der Geldwäscheprävention unterstützen. U.a. stellen wir die Empfehlungen der WPK zur Risikoanalyse vor, und Vieles mehr.

 

Das November-Meeting fällt aus, weil wir am 12.11.2021 in München unsere Mitgliederversammlung abhalten.

 

Abverkauf von Big4-Geschäftsbereichen

 

In Deutschland wird vom Big-4-Verband IDW zur Prüfungsqualität immer noch das Argument in die Diskussion eingebracht: "Beratung stärkt die Prüfungsqualität". Die kritischen Beobachter sehen dies (inzwischen) anders. Seit auch die Fehlbarkeit des Papstes kein Tabu mehr ist, dürfen auch IDW-Äußerungen in Frage gestellt werden, jedenfalls außerhalb Deutschlands.

 

Die Ankündigungen von Maßnahmen britischer Aufsichtsbehörden zur Big4-Abschlussprüfung (Aufspaltung, strikte Trennung Beratung und Prüfung) zeigen wohl inzwischen Wirkung. Die Interessenkonflikte im Börsensegment gelten im Vereinigten Königreich nicht mehr als Beitrag zur Steigerung der Prüfungsqualität und sind zu beseitigen. Dies bedeutet loslassen von Beratungstöpfen, aber nicht so Hals über Kopf, wie nach dem New Economy-Desaster 2002ff.

 

Der gerade bekannt gewordene Verkauf der Mobilitätsabteilung von PwC hatte wohl auch wirtschaftliche Gründe. Dieser Bereich berät rund 3.000 Unternehmen in 40 Ländern in Steuer- und Einwanderungsfragen, wenn sie Mitarbeiter ins Ausland entsenden. In diesem Geschäftsbereich sind die Aktivitäten in den letzten 18 Monaten aufgrund der historisch beispiellosen globalen Pandemie zurückgegangen, schreibt die britische Presse.

 

PwC gibt zwar weder Einnahmen noch Gewinne für diese Einheit an (da diese mit den Zahlen der Steuer- und Rechtsabteilung von PwC zusammengefasst sind), aber man darf wohl mit Fug und Recht behaupten: Die Rendite stimmte nicht mehr! Für diese Vermutung spricht die Aussage des Global Chairman von PwC, Bob Moritz: Das frei gewordene Geld wird in lukrativere Beratungsgeschäfte investiert. In der FT wird er mit der Aussage zitiert, dass in den nächsten 5 Jahren 12 Mrd. Dollar in die Kundenberatung von Technologie und ESG gesteckt werden sollen. 

 

Wie wertvoll die Beratungssparten bei PwC - nach zwanzig Jahren Wiederaufbau - inzwischen wieder sind, zeigt der Vergleich mit dem Verkauf aus 2002. Damals verkaufte PwC im Zuge des Enron-Skandals das gesamte Beratungsgeschäft für 3,5 Mrd. $. Die heute vergleichsweise kleine PwC-Mobilitätsabteilung wechselt für 2,2 Mrd. $ den Eigentümer. 

 

Bereits Anfang 2021 verkaufte KPMG für rund 350- 400 Mio. Pfund seine britische Insolvenzabteilung. Das gleiche Geschäftsfeld nahm inzwischen auch Deloitte aus den Büchern.

 

Nun soll man aber nicht meinen, die Big4 möchten ihre Beratungssparten künftig ausdünnen. Ganz anderes wird anscheinend geplant. Die Rendite muss wieder stimmen. Die Financial Service Firm feiern also weiter Rekorde. Für die Wirtschaftsprüfer mit ihren mageren Margen wird der Kampf um die Einhaltung ihrer Berufspflichten damit nicht einfacher.

 

Neues aus der Welt der BaFin-FDI-Prüfung

 

Seit über 10 Jahren kümmert sich WP StB Michael Böllner dankenswerterweise mit seiner aktuellen FDI-Fortbildung um die laufende Qualifizierung des WP-Mittelstands. Die Aktivitäten der BaFin erfordern jährliche Wissens-Updates. Deswegen haben wir Michael Böllner zu den FDI-Prüfungen 2022 für diesen Newsletter interviewt. Was werden die Schwerpunkte seiner Update-Seminare im Jan. 2022 sein? 

 

Lesen Sie dazu das Interview, das wir auf unserer Website eingestellt haben:  Nicht nur der Name FDI ändert sich …