Der fünfjährige Einsatz von wp.net für ein demokratischen Wahlrecht führte 2010 zur Einführung der Briefwahl. Damit wurde die Vollmachtswahl abgeschafft, die gegen grundlegende Anforderungen an demokratische Wahlen verstieß (keine geheime Wahl, Verstoß gegen die Unmittelbarkeit). Denn der Teilnehmer an der Präsenzwahl anläßlich der Wirtschaftsprüferversammlung konnte sich fünf Vollmachten geben lassen, die er in Stimmen umwandeln lassen konnte und konnte dann bei der Abstimmung mit sechs Stimmen antreten.

Bei den ersten Wahlen erreichte die WP-Gschrei-Liste 52 % der Stimmen und bekam 100% der Sitze. Die Big4-Gesellschaften und denen nahestehenden Gesellschaften und WP-Praxen gingen leer aus.

Dies veranlasste die WP-Gschrei-Liste das Wahlrecht wieder zu ändern. Denn inzwischen hatte der Beirat die Satzungshohheit. Dieser führte 2013 das Verhältniswahlrecht ein.

Bei den Wahlen zum Beirat 2014 sah sich die WP-Gschrei-Liste mit sechs weiteren WP-Listen konfrontiert, die alle nur ein Ziel hatten: Die absolute Mehrheit der WP-Gschrei-Liste zu verhindern. Da koalierten dann sog. Vertreter von Kleinpraxen mit den Big4 oder auch mittelständische Praxen glaubten an der Seite der Big4 für den Mittelstand erreichen zu können. Jede Big4-Gesellschaft machte ihre einige Liste und so kam es, dass zwei Listen mit nur rund 16.000 Stimmen zwei Sitze im Beirat und sogar durch die Koalition jeweils einen Sitz im Vorstand erhielten.

WP Gschrei als Listenführer der wp.net-WP-Liste hatte allein 11.214 Stimmen erhalten. Er seine seine 15 gewählten Beiräte mit der zehnfachen Stimmenzahl (157.392) Stimmen wurden trotz der großen Zustimmung durch die Wähler von der Big4-gesteuerten Koalition aus der Kammerführung ausgesperrt. Dies machte der Vertreter von KPMG auf einem Treffen im September 2014 unmissverständlich deutlich. Seitdem werden rund 37% der WP-Wähler nicht durch Ihre Kammer vertreten. Die Verstöße des WPK-Vorstands gegen § 57 Abs. 1 WPO (Die WPK hat die Belange aller Mitglieder zu vertreten) füllen inzwischen Seiten.

Die Ironie des Schicksals: Ohne Einführung der Briefwahl hätte die WP-Gschrei-Liste die Beiratswahlen wieder mit absoluter Mehrheit gewonnen.

Dies führte zur Klage vor dem Verwaltungsgericht, die 2015 im ersten Rechtszug noch entschieden werden soll. Grund: Der Ausschuss und die Geschäftsführung der WPK haben dem Beirat eine Satzungsänderung vorgelegt, die nach Meinung der jetzigen Kammerkoalition nicht juristisch belastbar. Die Koalition meint, die beiden wp.net-Listen WP-Gschrei und vBP-Eschbach aus der Kammerarbeit und Kammerführung aussperren zu können, den sie hätte ja Vertreter aus dem Mittelstand und Kleinpraxen in die Koalition aufgenommen. Dahinter verbirgt sicht die Idee der ausgewogenen Liste, die vor der Briefwahl durch die IDW/WPK-Listen die Vorauswahl der Listenzusammensetzung bestimmte.