wp.net-Wittsiepe bei der CSRD-Expertenanhörung im Bundestag
Erneut war wp-net gemeinsam mit Dr. Richard Wittsiepe als Sachverständiger im Deutscher Bundestag geladen.
Diese Beteiligung steht in einer mittlerweile über zehnjährigen Kontinuität: Bei nahezu allen wesentlichen Gesetzgebungsverfahren im Bereich der Abschlussprüfung und Kapitalmarktregulierung wurde wp-net als Stimme des Berufsstands gehört – von der Kapitalmarkttransparenz bis hin zu den aktuellen Regelungen zur CSRD und der europäischen Abschlussprüferaufsicht.
CSRD-Prüfungserweiterung braucht weitere qualifizierte Anbieter
Der Prüfungsmarkt steht heute vor einer grundlegenden Richtungsentscheidung.
Die Diskussion ist eindeutig: Ohne eine gezielte Öffnung für weitere qualifizierte Anbieter – insbesondere im Bereich der Independent Assurance Service Provider (IASP) – droht eine fortschreitende Marktkonzentration zugunsten weniger großer Prüfungsgesellschaften.
Gleichzeitig zeigt sich im Berufsstand ein strukturelles Defizit: Die für die Nachhaltigkeitsprüfung erforderliche technische und interdisziplinäre Expertise ist bislang nicht flächendeckend vorhanden. Damit steigt das Risiko fehlerhafter Beurteilungen – mit entsprechenden Konsequenzen für Unternehmen, Kapitalmärkte und Vertrauen.
Während andere EU-Mitgliedstaaten diese Entwicklungen frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen haben, blieb Deutschland lange zurückhaltend. Nun jedoch ist die Entscheidung gefallen – mit weitreichenden Folgen für den Berufsstand und den Prüfungsmarkt insgesamt.
Ich grüße Sie herzlich
Frank Paulus, WP/StB
Kandidat für die WPK-Beiratswahlen 2026
auf der WP-Liste „Mark Schüttler“

Expertenanhörung zur CSRD im Bundestag
Am 13.4.2026 fand die entscheidende Expertenanhörung zur Umsetzung der CSRD-Richtlinie im Rechtsausschuss des Bundestages statt.
Als Vertreter von wp-net hatte ich ausführlich Gelegenheit, unseren Standpunkt darzustellen. Daneben waren Experten des DIHK, DGB, Verband der Chemischen Industrie, DEKRA sowie Frau Prof. Karina Sopp aus der Wissenschaft vertreten.
Zentrale Forderungen der Anhörung
In der Anhörung kristallisierten sich klare Handlungsfelder heraus:
- Zügige Umsetzung der Richtlinie zur Sicherstellung von Rechtssicherheit
- Anpassung der Schwellenwerte an die EU-Omnibus-Regelungen
- Einführung eines Value-Chain-Caps
- Öffnung des Prüfermarktes für weitere Anbieter (IASP)
Öffnung des Prüfermarktes: Europäische Modelle im Vergleich
Frau Prof. Sopp sprach sich ausdrücklich für die Öffnung des Prüfermarktes das „Modell“ Österreich, aus. Also die generelle Zulassung von IASP und spätere Festlegung der Gleichwertigkeit von IASP. Im Übrigen wurde dies auch so in Belgien umgesetzt. Frankreich, Spanien und Dänemark haben IASP bereits komplett zugelassen, ein Verfahren wie in Österreich erscheint mir aber auch bei uns gangbar.
Fehleinschätzung: Weniger Unternehmen bedeutet nicht weniger Bedarf
Das Argument, durch höhere Schwellenwerte sinke der Bedarf an Prüfungsleistungen, überzeugt nicht. Im Gegenteil:
Es verbleiben große mittelständische, häufig familiengeprägte Unternehmen – ein Kernsegment des WP-Mittelstands.
Ohne Öffnung für IASP droht daher eher ein struktureller Effekt:
Die großen Prüfungsgesellschaften erhalten faktisch einen kostenlosen Zugang zu diesen Mandaten.
Fachkräftelücke als systemisches Risiko
Ein zentrales Problem wurde von mir deutlich benannt: Ich habe darauf hingewiesen, dass von rund 15.000 Berufsträgern lediglich 34 über eine technische Ausbildung verfügen.
Die Konsequenz ist klar: Die technisch-naturwissenschaftlichen Anforderungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung sind im Berufsstand derzeit nicht ausreichend abgedeckt.
Die Öffnung für IASP ist daher nicht nur wettbewerbspolitisch, sondern auch qualitativ zwingend notwendig. Sie reduziert das Risiko von Fehlurteilen erheblich und schützt insgesamt die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Fazit: Breite Unterstützung für die Position von wp-net
Die Anhörung hat mir gezeigt, dass die Positionen von wp-net auf breite Zustimmung stoßen.
wp-net wird in Berlin als kompetenter und konstruktiver Gesprächspartner wahrgenommen. Diese Rolle hat sich mir in der Anhörung erneut bestätigt.
Ich grüße Sie herzlich
Dr. Richard Wittsiepe, WP/StB
Kandidat für die WPK-Beiratswahlen 2026
auf der WP-Liste „Mark Schüttler“
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Bildnachweis: Stock-Illustration: AndryDj/Shutterstock
