Weniger Prüfungen – mehr Nachwuchs?
Beitragsbild zum wp.net, wp.weekly vom 05.11.2026. Das WP-Examen soll gem. Bundeswirtschaftsministerium vereinfacht werden. Laut IDW soll der Prüfungsstoff für Nachhaltigkeitberichtsprüfungen aber für alle verplichtend sein. wp-net fordert keine Verpflichtung für alle. Sondern eine Zusazqualifikation für Nachhaltigkeitsberichtsprüfer. So, wie im CSRD-Gesetzentwurf vorgesehen: Von Mark Schüttler
Kategorie: Aktuelles
Datum: 05.11.2026

Das Bundeswirtschaftsministerium will das WP-Examen attraktiver machen:

  • weniger Klausuren,
  • kürzere Bearbeitungszeiten und
  • weniger mündliche Prüfungen.

Das ist ein sinnvoller Ansatz. Der Berufsstand braucht Nachwuchs!

Doch gleichzeitig fordert das IDW, die Nachhaltigkeitsprüfung verpflichtend in das WP-Examen aufzunehmen.

Die entscheidende Frage lautet: Muss jeder angehende Wirtschaftsprüfer Nachhaltigkeitsprüfung lernen – auch wenn er später keine Nachhaltigkeitsberichte prüfen will? Betrachten wir das Für und Wider.

Der Referentenentwurf vom 23. September 2026 sieht insbesondere vor:

  • Eine statt zwei BWL/VWL-Klausuren.
  • Vier Stunden je Klausur außerhalb des Steuerrechts. Bisher sind vier bis sechs Stunden möglich.
  • Keine mündliche Prüfung mehr in BWL/VWL, Wirtschaftsrecht und Steuerrecht, wenn schriftlich mindestens die Note 4,00 erreicht wurde. Im Kernfach Prüfungswesen bleibt sie verpflichtend.

Das entlastet die Kandidaten. Allerdings: Weniger Zeit im Prüfungsraum heißt noch nicht weniger Vorbereitung.

Eine zweite Klausur bietet zudem die Chance, eine schlechte erste Leistung auszugleichen. Wer sie streicht, nimmt den Kandidaten auch diese Möglichkeit.

Der CSRD-Gesetzentwurf sieht eine gesonderte Zusatzprüfung für angehende Nachhaltigkeitsprüfer vor.

wp.net begrüßt diese Trennung: Wer Wirtschaftsprüfer werden will, kann das Examen ohne diese Zusatzprüfung ablegen. Wer auch Nachhaltigkeitsberichte prüfen will, erwirbt die zusätzliche Qualifikation.

Das IDW will die Nachhaltigkeitsprüfung dagegen verpflichtend in das Kernmodul „Wirtschaftliches Prüfungswesen, Unternehmensbewertung und Berufsrecht“ aufnehmen. Dafür wäre nach seiner Stellungnahme eine Änderung der WPO erforderlich.

Dann müssten alle Kandidaten den zusätzlichen Stoff lernen. Auch diejenigen, die ihn für ihre spätere Tätigkeit nicht benötigen.

Genau hier liegt der Unterschied: Das IDW will Nachhaltigkeitsprüfung als Pflichtstoff für alle. wp.net will sie als Zusatzqualifikation nur für diejenigen erhalten, die Nachhaltigkeitsberichte prüfen wollen.

Ihr Assistent prüft Jahresabschlüsse mittelständischer Unternehmen. Nachhaltigkeitsprüfungen bieten Sie nicht an. Daran soll sich auch nichts ändern.

Nach dem IDW-Vorschlag müsste er Nachhaltigkeitsprüfung trotzdem für das Examen lernen.

Wird das WP-Examen dadurch attraktiver?

Will Ihr Assistent später auch Nachhaltigkeitsprüfer werden, braucht er zusätzlich praktische Erfahrung: mindestens acht Monate in der Nachhaltigkeitsprüfung oder anderen nachhaltigkeitsbezogenen Dienstleistungen.

Können Sie ihm diese Ausbildung nicht anbieten, muss er sie anderswo erwerben. Für Ihre Praxis stellt sich dann die Frage: Kommt er anschließend zurück?

Dabei muss man unterscheiden: Die achtmonatige praktische Ausbildung betrifft die zusätzliche Registrierung als Nachhaltigkeitsprüfer. Sie wird durch zusätzlichen Pflichtstoff im WP-Examen nicht automatisch zur Voraussetzung jeder WP-Bestellung.

Wer Nachhaltigkeitsberichte prüfen will, muss dafür qualifiziert sein. Dazu gehören Fachwissen und praktische Erfahrung.

Aber warum soll jeder WP-Kandidat den zusätzlichen Prüfungsstoff lernen müssen?

Die im CSRD-Gesetzentwurf vorgesehene Trennung muss deshalb erhalten bleiben: WP-Examen für den Berufszugang, Zusatzprüfung für diejenigen, die auch Nachhaltigkeitsberichte prüfen wollen.

Der Nachwuchs soll leichter in den Beruf kommen. Dann sollte man ihm nicht gleichzeitig zusätzlichen Pflichtstoff aufladen.

 

Herzliche Grüße

Mark Schüttler
PRIMUS Seminare
WPK-Beiratsmitglied

 


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Bildnachweis: Stock-Illustration: Abdul-Jalil/Shutterstock

Mark Schüttler
Author: Mark Schüttler

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