Der AK „Versorgungswerk der WP/vBP“ stellt sich vor!
kruse-kraft: wp-net-AK "Versorgungswerk der WP/vBP" stellt sich vor!
Kategorie: Facharbeit
Datum: 23.03.2022

Dipl. Kfm. Roland Kruse-Kraft ist Wirtschaftsprüfer und Prüfer für Qualitätskontrolle in eigener Praxis in Berlin (www.wp-kruse-kraft.de). Bis zu seiner Selbstständigkeit im Jahre 2000 war er Mitarbeiter der ehem. TREUARBEIT AG und erlebte dort den Unternehmenswandel hin zu PwC „leidvoll“ mit. 

Von sich selbst sagt er: „Mit gut 30 Jahren Berufserfahrung kandidiere ich zum Beirat der WPK auf der „Gschrei-Liste“, weil nur wp-net seit Jahren mit den „Gschrei- und der Eschbach–Listen“ den deutschen WP/vBP-Mittelstand und die Einzelpraxen gegen „BIG4 & Friends“ verteidigt.“

In der Zeit der großen KMU-WP-Reform und der unterbliebenen Big4-WP-Reform 2016 wurde Roland Kruse-Kraft wp-net-Mitglied. Von Anfang an brachte er sich aktiv ein. Sein größtes Werk ist die fruchtbare Arbeit als Leiter des Arbeitskreises „Wirtschaftsprüferversorgungswerk (WPV)“. Unter Wahrung der Verschwiegenheit werden wp-net-Mitglieder im WPV über die Leistungen und die Arbeit der WPV-Leitung, über eingeholte Hintergrundinfo regelmäßig unterrichtet. Herr Kruse-Kraft plant bei den nächsten Verwaltungsratswahlen eine eigene wp-net-Liste.

Wer hat das Sagen beim Versorgungswerk der Wirtschaftsprüfer?

Roland Kruse-Kraft: Heute sind drei Viertel aller deutschen Berufsträger Mitglieder im WPV und haben die Hoffnung, mit ihren Beiträgen ins WPV eine höhere Rente als in der gesetzlichen Rentenversicherung zu bekommen. Die Mitgliedschaft ist den WP/vBP gesetzlich vorgeschrieben, wenn man nicht schon zuvor in einem anderen Versorgungswerk, z.B. für Steuerberater oder Rechtsanwälte, Mitglied war.

Das 1993 gegründete WPV wird seitdem ununterbrochen von demselben Vorstand und demselben Geschäftsführer geführt. Auch in der Vertreterversammlung, dem „Parlament“ der Versicherten werden diese nur über eine „Einheitsliste“ vertreten. Soweit für uns erkennbar, haben fast alle Vertreter einen „BIG4 & Friends“-Hintergrund.

Warum und wann hast Du den Arbeitskreis WPV angestoßen und von der Mitgliederversammlung des wp-net genehmigen lassen? 

Roland Kruse-Kraft: Wie meine Mitstreiter und auch ich gingen alle Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich in den letzten Jahren hierzu sprach, davon aus, dass im WPV der beste betriebswirtschaftliche Sachverstand des deutschen WP-Berufsstandes versammelt ist, um sich für eine sichere und auskömmliche Altersversorgung des Berufsstandes einzusetzen. Unser Arbeitskreis hat dann aber herausgefunden, dass das nur Wunschdenken war.

Der Stein des Anstoßes war meine eigene Rentenplanung. Meine Frau und ich überprüften unsere Altersversorgung und studierten dazu auch die WPV-Berichte. Zur großen Enttäuschung entdeckten wir zunächst keine betriebswirtschaftlich aussagekräftigen Informationen zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des WPV. 

Die Mitglieder des WPV erhielten damals lediglich und mit einer Verspätung von fast einem Jahr einen Hochglanz-Geschäftsbericht, der zur Hälfte aus bunten Bildern und sachfremden Texten bestand und ansonsten die Zahlen des Jahresabschlusses sehr verdichtet wiedergab. Zu den Zukunftsaussichten wurden Allgemeinplätze wie „weiterhin positive Entwicklung“ oder so ähnlich abgedruckt, ohne diese Aussagen mit irgendwelchen Annahmen zu unterlegen. 

Zumindest gab es keinerlei Zugriff auf aktuelle und entscheidungserhebliche Informationen zu den Kapitalanlagen des WPV und ihren Renditen. Meine Nachfragen hierzu wurden vom WPV zunächst gar nicht beantwortet, weshalb ich auch andere Kollegen ansprach. 2018 fand sich eine Gruppe von wp-net-Mitgliedern zusammen, um für die Vertreterversammlung des WPV zu kandidieren und dadurch einen besseren Einblick in das Zahlenwerk zu erhalten.

Warum sind bislang die wp-net-Aktivisten nicht in der Vertreterversammlung vertreten?

Roland Kruse-Kraft: Bei den Wahlen 2018 zwang uns das hohe Quorum (von mindestens 35 Kandidaten/-innen, Anmerk. Redaktion), unsere Kandidatur zu verschieben. Uns war klar, dass dieses Quorum für jede Liste, Wettbewerber abhalten sollte.

Im WPV herrscht unserer Meinung nach eine ganz harte „closed-shop“-Mentalität, die nur gut vorbereitet aufgebrochen werden kann. Daher beschlossen die wp-net-Mitglieder auf ihrer Versammlung 2019 den Arbeitskreis WPV einzurichten, um künftig die personellen und auch organisatorischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kandidatur zu erfüllen.

Gibt es schon über Erfolge mit Deinem Arbeitskreis zu berichten?

Roland Kruse-Kraft: Durch die intensive Auseinandersetzung mit den uns zur Verfügung gestellten Informationen haben wir schon Ungereimtheiten und Widersprüche aufgedeckt. Damit konfrontierten wir den Vorstand und die Geschäftsführung des WPV. Unsere Feststellungen und das permanente Nachfragen und Weiterbohren hat dann dazu geführt, dass das WPV seinen Mitgliederbereich im Internet transparent gestaltet und einige unserer Fragen, insbesondere zu den Kapitalanlagen, dort beantwortete.

Aus  dem Lagebericht 2020 und der Berichterstattung zu den drei Fonds per 30.09.2020, in denen das Vermögen des WPV investiert ist, konnten wir dann erstmalig hinreichende Feststellungen erarbeiten, die unsere Kritikpunkte belegen.

Wo besteht aktuell der größte Handlungsbedarf von Seiten der AK WPV? Anders gefragt: Habt Ihr Managementfehler ausfindig gemacht?

Roland Kruse-Kraft: Die schlimmste Überraschung für uns war und ist, dass das WPV keinerlei eigenen nennenswerten Grundbesitz im Bestand hat. 

In der Bilanz 2020 mit € 4,2 Mrd. EUR entfallen auf Grundstücke lediglich € 46 Mio. EUR. Die vom WPV behauptete Immobilienquote von über 20 % (rund 800 Mio. EUR) wird nur durch intransparente „Fonds-in-Fonds“-Strukturen erreicht. Die 20% Immobilienquote vermittelt nach unserer Einschätzung den WPV-Mitgliedern eine falsche Sicherheit. 

Deswegen halten wir das fehlende Engagement in eigene Immobilien als den schwersten Managementfehler der letzten Jahre. Mit den scheinbar „gemütlichen“ Fonds wurden die größten (und vermutlich auch sichersten) Anlagechancen seit der Wiedervereinigung nicht genutzt. 

Weiterhin ist der Vorstand des WPV zu den Vorgängen in den drei Fonds nicht aussagefähig. Selbst die Geschäftsführung musste mehrfach zugeben, dass sie die Berichterstattung der Fonds-Manager in Luxemburg und München in Teilen nicht verstanden hatte. 

Was habt Ihr zur Vermögensverwaltung als Tagesgeschäft herausbekommen?

Roland Kruse-Kraft: Seit Jahrzehnten werden als Kapitalverwaltungsgesellschaften ausschließlich die BayernInvest Luxemburg S.A. bzw. die BayernInvest KV GmbH, München, tätig; Prüfer der Fonds ist in allen Fällen immer die PwC. Auch hier beurteilen wir die vollkommene Abhängigkeit von einem Bankhaus als einen schweren Managementfehler.

Wir bezweifeln daher auch, dass sich die gewählten Vertreter des WPV mit den Fondsberichten mit der gebotenen kritischen Grundhaltung bzw. überhaupt befasst haben. Anscheinend interessiert sich auch niemand für die Arbeit der Fonds-Prüfer von PWC, denn unsere Fragen zu alldem blieben mit dem Hinweis auf die vermeintliche Unabhängigkeit der Fonds unbeantwortet. 

Das vordringliche Ziel des AK bleibt es daher, zunächst Transparenz in das Kerngeschäft des WPV, die Investment-Abteilung, zu erlangen. Erst dann werden wir erkennen können, wer wie viel Honorar und wofür erhält. Für uns ist dabei wichtig, wie viel man von diesen Honoraren zu Gunsten unserer Altersversorgung einsparen wird können. 

Wir akzeptieren nicht, dass die Investmentstrategie nicht aus der Mitte des WPV und seinen Mitgliedern, sondern von irgendwelchen hochbezahlten Anlagestrategen kommt. 

Mit unserem Risiko-Verständnis ist auch nicht vereinbar, dass in diverse Währungen außerhalb des EURO investiert wird. Wir wollen und müssen verhindern, dass die WPV-Geschäftsführung und der Vorstand die Chance des EU-Green-Deals zur Investition in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen versäumt.

Um für die WPV-Pensionen etwas zu erreichen, müsst Ihr in die Vertreterversammlung gewählt werden. Wann finden denn die nächsten Wahlen in die WPV-Vertreterversammlung statt? Wird es eine wp-net Liste geben?

Roland Kruse-Kraft: Die nächsten Wahlen zur Vertreterversammlung finden im 1. Halbjahr 2023, also in einem Jahr, statt. Als „Außerparlamentarier“ wissen wir aber nichts Genaueres, sind aber auf alle, nach der Satzung möglichen, Termine vorbereitet. 

Sicherheitshalber haben wir dem WPV auch noch zwei Kollegen benannt, die allerdings von den derzeitigen Vertretern der „Einheitsliste“ in den Wahlausschuss gewählt werden müssten, wenn sie es denn mit der Demokratie nur etwas ernst nähmen. Wenn unsere Kollegen in den Wahlausschuss gewählt wären, kämen wir näher an die für die Wahl relevanten Informationen ran und hätten auch eine gewisse Kontrolle bei den Wahlen fair behandelt zu werden. 

Bei all unserem Tun müssen wir immer bedenken, dass es um das Vermögen der Mitglieder per 31.12.2020 von rund Mrd. € 4,2 geht und wir in dem bislang „geschlossenen Zirkel“ wohl eher nicht erwünscht sind. Wir haben die Zeit seit 2018 aber gut genutzt. Vielen Dank an die Referentinnen des wp-net-Büros in München, Frau Drachenberg und Frau Echtermeyer. Durch deren tatkräftige Unterstützung stehen in dem AK zurzeit rund 50 Kolleginnen und Kollegen bundesweit bereit, zu kandidieren. Das Quorum von 35 Personen pro Liste werden wir erreichen! Mit diesen Kandidaten werden wir der fachlichen Herausforderung für eine sichere, nachhaltige und hinreichend rentable Altersversorgung des deutschen Berufsstands gerecht werden. 

Es geht bei der Vertreter-Wahl 2023 auch um einen Generations- und Mentalitätswechsel: Weg von einer Selbstversorgungsbürokratie, hin zu einer gelebten nachhaltigen unternehmerischen Initiative. Hier sollten auch Geschäftsideen der Versicherten mit einfließen. 

Ich möchte abschließend noch darauf hinweisen, dass ich hier nur einen ersten Eindruck vermitteln konnte. Sofern einzelne Sachverhalte nicht ganz genau wiedergegeben wurden, ändert dies aber nichts an unserem Gesamturteil: 

Unsere Besorgnis für eine sichere WPV-Versorgung wächst mit jedem weiteren Einblick, den wir erlangen. 

Dein Schlusssatz bringt die Demokratie ins Spiel. Eine gute Altersversorgung sicherzustellen, erfordert auch die Demokratie. Demokratie zu wagen bedeutete auch, sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen (so Max Frisch). Hier bist Du, lieber Roland, auf einem guten Weg. Wir wünschen Dir und deinen Kolleginnen und Kollegen viel Erfolg bei Eurer außerparlamentarischen Arbeit. Wir freuen uns auf Deinen nächsten Bericht.

wp-net-Mitglieder des WPV können sich gerne direkt an Herrn Roland Kruse-Kraft wenden (r.kruse-kraft@t-online.de), um die fundierten Berichte des  Arbeitskreises WPV zu erhalten.

Hier finden Sie das Interview als pdf.

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