Ob groß, ob klein – wp-net ist für alle da!
Ob Groß, ob Klein, wp-net ist für Alle da! Interview mit WP StB Dominik Spielmann
Kategorie: Aktuelles
Datum: 01.04.2022

Herr WP StB Dominik Spielmann kandidiert auf der WP-Gschrei-Liste bei den WPK- Beiratswahlen 2022. 

Dominik Spielmann ist Partner der mittelgroßen Kanzlei NAUST HUNECKE und Partner mbB in Südwestfalen (www.nhup.de). Wir freuen uns, dass sich damit ein Vertreter des größeren WP-Mittelstandes für die Kandidatur auf der Gschrei-Liste bereit erklärt hat. Im nachfolgenden Interview erfahren Sie mehr über den Kandidaten, seine Beweggründe und Ziele.

Herr Spielmann, wie lässt sich Ihre Gesellschaft beschreiben?

Spielmann: In unserer Hauptgesellschaft Naust Hunecke sind 7 Partner tätig; in der Partnerschaft 7 WPs und ein vBP. Insgesamt sind wir als NH-Gruppe mit ca. 200 Mitarbeitern an den Standorten in Iserlohn, Hagen, Attendorn und Witten aktiv.

Für uns gilt das Versprechen: Ob groß, ob klein – wp-net ist für alle da. Wir kümmern uns um den WP-Mittelstand und um die WP-Einzelpraxen. Wo sehen Sie Ihre Stärken und die Ihrer gesamten Gruppe?

Spielmann: Im Gegensatz zu den großen Einheiten setzten wir auf Kontinuität in der Mandatsbetreuung. Jeder unserer Wirtschaftsprüfer ist stets nah am Mandat. Dass bedeutet: Jeder Wirtschaftsprüfer/Steuerberater ist auch zugleich noch aktiv steuerberatend und steuergestaltend dabei. Die Themen reichen von der Nachfolgeberatung, Verrechnungspreisgestaltungen und Unternehmenstransaktionen bis hin zur Schenkungssteuererklärung. Wir können mit unserer Rechtsabteilung und der angeschlossenen Unternehmensberatung ganzheitliche Lösungen aus einer Hand anbieten. 

Unsere Stärke ist die Betreuung der mittelständischen Unternehmen in Südwestfalen; beginnend mit dem Einzelunternehmen bis zur inhabergeführten Unternehmensgruppe mit einem Umsatz von mehreren Mrd. EUR und mehreren tausend Mitarbeitern.

Welche fachlichen Schwerpunkte hat Ihre Gruppe?

Spielmann: In der steuerlichen Gestaltungsberatung haben wir in den letzten Jahren stark auf Spezialisierung gesetzt und hausintern die Grundsatzabteilung weiter ausgebaut. Die Themen reichen dort von A, wie Abgabenordnung, bis U mit Umsatzsteuer und Umwandlungssteuerrecht. 

Die klassische Jahresabschlussprüfung, Due Diligence Prüfungen und Transaktionsberatungen, diese in enger Zusammenarbeit mit der Rechts- und Steuerabteilung, sind nur einige unserer fachlichen Schwerpunkte.

Die wachsende Komplexität erfordert aus unserer Sicht immer passgenauere Lösungen, welche wir im Zusammenspiel mit verschiedenen Disziplinen reibungslos zum Nutzen des Mandanten anbieten können. 

Wir sind seit vielen Jahren auch im Netzwerk MOORE unterwegs, dadurch wächst auch das internationale Geschäft stetig.

Warum sind Sie Mitglied bei wp-net geworden?

Spielmann: wp-net ist aus meiner Sicht eine starke Alternative bzw. Ergänzung zum IDW. Der Verband wp-net legt seinen Fokus auch auf unsere inhabergeführten mittelständischen Kanzleien.

Die Prüfungsstandards sind derart umfangreich geworden, dass man sie im Detail doch nicht mehr voll beherrschen kann. Schauen wir uns bspw. das Drama um den neuen Bestätigungsvermerk an. Der alte Bestätigungsvermerk hat es seit Jahrzehnten getan. Statt den Bestätigungsvermerk allenfalls leicht modifiziert ans Gesetz anzupassen hat das IDW ein Formeltestat durch ein anderes Formeltestat ersetzt. Aus einer Testatsseite wurden fast fünf Seiten. Was hat diese Aufblähung mit Qualität zu tun? Warum braucht die Öffentlichkeit die Beschreibung der Verantwortung des Abschlussprüfers im Testat?

Beim IDW sind mir einfach zu viele Theoretiker unterwegs, die scheinbar seit zig Jahren keinen Jahresabschluss mehr geprüft oder noch nie einen Abschluss von vorne bis hinten selbst geprüft haben. Wir brauchen in unseren Berufsvertretungen mehr Praktiker und wieder den Blick für’s Wesentliche. Die Bilanzskandale der letzten Jahre sind durch Prüfungsstandards nicht verhindert worden; weitere noch umfangreichere Standards werden die Qualität nicht verbessern. Wir brauchen einfach wieder ein „Back to the roots“. Die Abschlussprüfung muss wieder stärker prinzipien- und schwerpunktorientiert angelegt werden. Eine an Schwerpunkten orientierte, im Detail dafür gründliche Abschlussprüfung ist einem “flächendeckenden Hakenmachen“ vorzuziehen.

Warum kandidieren Sie für den Beirat der WPK?

Spielmann: Irgendwann im Leben kommt der Zeitpunkt, an dem man erkennt, dass man sich engagieren muss. Dass wir eine Wirtschaftsprüferkammer haben, ist eine tolle Sache, wenn Sie eine Selbstverwaltungskörperschaft für alle ist. Sie muss unabhängig bleiben und braucht einen gewissen Abstand von den Lobbyisten der Big Four. Ich stelle mir auch die Frage, warum denn so etwas wie Best Practice nicht von der Kammer vorgeben wird, anstatt von einem Verein, in dem sich in der Regel nur die großen Gesellschaften engagieren können, weil sie die dazu notwendigen personellen Ressourcen haben.

Lieber Herr Spielmann, damit sprechen Sie unseren Wahlprogrammpunkt „Facharbeit nur mit der Kammer“ an. Bei welchen Themen möchten Sie sich stärker engagieren?

Spielmann: Der Abbau der Überregulierung in wirklich allen Bereichen und die Förderung des Berufsnachwuchses liegen mir sehr am Herzen. Wir haben einen tollen und abwechslungsreichen Beruf mit viel Verantwortung. Unsere Mandanten wissen das in der Regel auch zu schätzen. Mit der Regelungsflut wird jedoch die Qualität nicht besser und die Attraktivität des WP-Berufs schwindet, der Nachwuchs dreht sich weg.

Kann man den Satz: „Nicht der Förster schützt den Wald, sondern die Angst vor dem Förster“ auch auf die WPK-Qualitätskontrolle übertragen?

Spielmann: So mancher Bilanzskandal wäre bestimmt vermeidbar gewesen, wenn der Prüfer – wegen seiner immanenten Angst vor der Qualitätskontrolle – keine zeitintensive Checkliste nach der anderen ausgefüllt und abhackt hätte. Besser wäre es für das Testat und die Prüfungsqualität gewesen, wenn mit gesundem Menschenverstand geprüft und beurteilt worden wäre „wo der Hase im Pfeffer liegt“. 

Welche junge Mensch möchte „reiner Hakenmacher“ und „Checklisten-Freak“ werden und den Berufsalltag bis in kleinste Detail vorgegeben zu bekommen. Die Bandbreite der Entfaltungsmöglichkeiten für den Nachwuchs muss erhalten bleiben. Es wäre einfach zu schade, wenn die Option zur Selbständigkeit und Unternehmertum entfallen und der Beruf in Konzernstrukturen und Professional Service Firms untergehen würden.

Wo sind denn nur die Checklisten?

Halten Sie also die Qualitätskontrolle für zu bürokratisch? Wo hat Ihrer Einschätzung nach die Qualitätskontrolle noch Effizienzsteigerungsmöglichkeiten (Kosten zurzeit in der WPK 2,5 Mio EU)

Spielmann: Wenn ich richtig informiert bin, werden bei den Großen der Branche wesentlich weniger Aufträge im Rahmen der Qualitätskontrolle durchleuchtet als bei uns im Mittelstand. Die Qualitätskontrolle ist bei uns immer ein Kraftakt. Das gesunde Denken wird leider immer mehr durch QM-Handbücher und Dokumentationszwänge zurückgedrängt. Die Qualitätskontrolle scheint sich als eigener Markt etabliert und verselbständigt zu haben. Wir kennen diese Entwicklungen von den Zertifizierungen in in allen möglichen Bereichen. 

Fragen Sie mal einen Mittelständler, was er von den ganzen ISO-Zertifizierungen, Umwelt-Audits etc. hält. Leitplanken sind für alle wichtig, aber sie müssen auf die Unternehmensgröße und die (Mandanten-)Struktur abgestimmt sein.

Wir wünschen uns, dass von unserer Liste auch Leute in den Beirat und Vorstand aus den größeren und unabhängigen WP-Mittelstand in die Kammer gewählt werden. Wo sehen Sie für Ihre WP-Gruppe Handlungs- bzw. Verbesserungsbedarf in und durch die Wirtschaftsprüferkammer?

Spielmann: Die WPK muss als Berufsaufsicht die fachlichen Regelungen vorgeben, damit wir diese als Berufsstand über das IDW mitgestalten können. Im IDW sind nach meiner Kenntnis überwiegend große Kanzleien und die Big4 unterwegs. Diese geben – weil sie auch die Hauptbeitragszahler sind – den Ton im IDW an. Wer zahlt, bestimmt die Musik, sagt die Lebenserfahrung. Dies führt nach meiner Überzeugung leider dazu, dass von Theoretikern alles über tausende von Seiten festgehalten wird, was in der Praxis nicht so gelebt und auch dokumentiert werden kann. 

Lassen Sie sich mal von einem „richtigen“ Experten den risikoorientierten Prüfungsansatz für die Prüfung eines Lageberichts erklären und dann vor allem, wie Sie dies in der Prüfungsplanung dokumentieren müssen. Es gibt das Handelsgesetzbuch, die Wirtschaftsprüferkammer, viele gute Kommentare und den gesunden Menschenverstand. Noch mehr IDW wird auch uns als größere mittelständische Einheit auf Dauer nicht guttun.

Was ist Ihr „Steckenpferd“ in Ihrer Funktion als Partner in der Naust-Hunecke-Gruppe?

Spielmann: Ich war in jungen Jahren einmal Finanzbeamter und habe noch immer Spaß am Steuerrecht. In Kombination mit der Wirtschaftsprüfung versuche ich Generalist zu bleiben. Das ist heraufordernd, denn kein Tag ist wie der andere. Durch den ganzheitlichen Ansatz entwickelt man gute Mandantenbeziehungen, die über viele Jahre und Jahrzehnte halten. Wenn man will, ist man dann fast „Teil der Familie“.

Herzlichen Dank, lieber Herr Spielmann, für Ihre Meinung. Ganz besonders freut es mich, dass wir auch Themen für die größeren WP-Gruppen, wie die Naust-Hunecke-Gruppe im Wahlprogramm haben. Ihre Kandidatur ist eine Bereicherung für die WP-Gschrei-Liste und damit für den gesamten WPK-Beirat.

Hier finden Sie das Interview als pdf.

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