Anfang Oktober ist es wieder so weit: Unser Referent WP Dr. Achim Korten hat sein aktuelles zweiteiliges Online-Seminar „Künstliche Intelligenz in der mittelständischen WPg“ am 2. und 9. Oktober 2026 vorbereitet.
Seit unserem letzten Gespräch vor einem Jahr hat sich im Bereich der Künstlichen Intelligenz einiges getan: KI-Anwendungen sind stärker im beruflichen Alltag angekommen, KI-Agenten haben deutlich an Bedeutung gewonnen und auch die Anforderungen an einen sicheren und verantwortbaren Einsatz entwickeln sich weiter.
Was bedeutet diese Entwicklung konkret für die mittelständischen Wirtschaftsprüfer? Welche Themen sind neu hinzugekommen, welche Risiken rücken stärker in den Fokus – und warum bleibt ein solides Grundverständnis von KI unverzichtbar?
Darüber haben wir mit Dr. Achim Korten im nachfolgenden Interview gesprochen.
wp.net: Vor einem Jahr haben wir erstmals über das Seminar gesprochen. Was hat sich seitdem verändert?
Achim Korten: KI ist mittlerweile in vielen Bereichen des beruflichen Alltags angekommen. Viele Unternehmen nutzen mittlerweile routinemäßig Sprachmodelle für Recherchen, Zusammenfassungen, Textentwürfe oder die Strukturierung von Sachverhalten. Softwarelösungen wie DATEV und Microsoft Office integrieren zunehmend KI-basierte Funktionen. Gleichzeitig gewinnen KI-Agenten und stärker automatisierte Anwendungen an Bedeutung.
Damit wird eine wirksame menschliche Kontrolle noch wichtiger. KI wird auch im Finanzbereich immer häufiger zur Unterstützung bei Aufgaben oder der Vorbereitung von Aufgaben eingesetzt. Berufsrechtlich bleiben die Pflicht zur abschließenden fachlichen Beurteilung und die Verantwortung für die weitere Verwendung der Ergebnisse jedoch beim verantwortlichen Wirtschaftsprüfer.
Die Wirtschaftsprüferkammer fordert von den Wirtschaftsprüfern, zu verstehen, wie KI-Systeme funktionieren, welche Fehler typischerweise auftreten und an welchen Stellen Ergebnisse besonders kritisch zu überprüfen sind. Bei Hochrisiko-KI-Systemen verlangt die KI-Verordnung eine menschliche Aufsicht; das gilt zwar frühestens ab 2027, doch die Vorbereitungen dafür müssen schon heute getroffen werden. Aufgrund der berufsrechtlich geforderten Eigenverantwortung ist die menschliche Aufsicht für Wirtschaftsprüfer auch weiterhin von zentraler Bedeutung.
wp.net: Warum ist ein Grundlagenseminar weiterhin sinnvoll, obwohl viele bereits erste Erfahrungen mit KI gesammelt haben?
Achim Korten: Erste Anwendungserfahrungen ersetzen kein systematisches Grundverständnis. Ein Werkzeug bedienen zu können, bedeutet noch nicht, dessen Ergebnisse zuverlässig beurteilen zu können. Gerade im prüfungsrelevanten Umfeld müssen Anwender verstehen, wie KI arbeitet, welche Fehler entstehen können und wie Ergebnisse überprüft und dokumentiert werden müssen. Diese Grundlagen bleiben auch dann relevant, wenn sich Anbieter, Anwendungen und technische Möglichkeiten verändern.
wp.net: Welche Themen sind im Seminar neu hinzugekommen oder wurden stärker gewichtet?
Achim Korten: Wir schauen darauf, inwieweit das Berufsrecht die Nutzbarkeit von KI in der Prüfung beeinflussen könnte. Im Seminar unterscheiden wir stärker zwischen analytischen, generativen und agentischen Einsatzformen von KI. Die Funktionsweisen von Sprachmodellen und KI-Agenten werden vertieft behandelt; und wir vergleichen Plattformlösungen, die es so vor einem Jahr noch nicht gab.
Bei den Plattformlösungen mit ihren vordefinierten KI-Fähigkeiten geht es unter anderem darum, wie sie helfen können, Prüfungsabläufe effizienter zu gestalten.
wp.net: Welche Risiken sollten Wirtschaftsprüfer besonders im Blick behalten?
Achim Korten: Zu den wichtigsten Risiken gehören fehlerhafte, unvollständige oder erfundene Ergebnisse, die unzulässige oder unkontrollierte Verarbeitung vertraulicher Daten und die unkritische Übernahme von KI-Ausgaben. Je stärker KI in Arbeitsprozesse integriert wird, desto wichtiger werden klare Zuständigkeiten, Kontrollen und Freigaben. Auch die Daten- und Cybersicherheit gewinnt weiter an Bedeutung, weil agentische Systeme auf Daten und Werkzeuge zugreifen und abhängig von ihrer Konfiguration selbstständig Aktionen auslösen können.
wp.net: Was sollen die Teilnehmer aus dem Seminar mitnehmen?
Achim Korten: Die Teilnehmenden sollen die Möglichkeiten und Grenzen von KI realistisch einschätzen können. Sie sollen beurteilen können, für welche Aufgaben in ihrer Praxis KI sinnvoll ist, welche Risiken bestehen und unter welchen Voraussetzungen ein verantwortbarer Einsatz möglich ist.
Aus prüferischer Sicht geht es außerdem darum, besser zu erkennen, welche Fragen gestellt werden müssen, um KI-bezogene Prüfungsrisiken angemessen beurteilen zu können – sowohl bei der eigenen Nutzung als auch in den Prozessen der Mandanten.
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wp.net: Lieber Herr Dr. Korten, vielen Dank für den aktuellen Einblick in die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz in der Wirtschaftsprüfung. Deutlich wird: Mit den wachsenden Einsatzmöglichkeiten steigen auch die Anforderungen an fachliche Beurteilung, Kontrolle und einen verantwortbaren Umgang mit KI. Dieses Wissen und die aktuellen Entwicklungen geben Sie an die Teilnehmer des Seminars weiter.
Es ergibt sich aus den Berufspflichten, dass sich Wirtschaftsprüfer mit den Grundlagen und den neuen Anwendungsmöglichkeiten von KI auseinandersetzen. Es lohnt sich also, an Ihrem Online-Seminar am 2. und 9. Oktober 2026 teilzunehmen!
Es grüßt Sie herzlichst
Ihr Michael Gschrei
und das Team von wp-net
