Weckruf gegen die Zersplitterung
Die WPK-Beiratswahlen 2026 sind entschieden. Wie nach jeder Wahl richtet sich der Blick zunächst auf die Sitzverteilung. Doch wer ausschließlich auf die Anzahl der Sitze schaut, übersieht die eigentliche Botschaft dieser Wahl.
Die Big4 sind nicht deshalb erfolgreich, weil sie zahlenmäßig überlegen wären. Sie sind erfolgreich, weil sie Berufspolitik als Führungsaufgabe verstehen.
Der WP-Mittelstand verfügt zwar über die Mehrheit der Berufsträger – nutzt diese Mehrheit jedoch nicht.
Die WPK-Beiratswahl 2026 sollte deshalb weniger als Wahlergebnis verstanden werden, als vielmehr als Weckruf für den gesamten mittelständischen Berufsstand.
Lesen Sie die Wahlauswertung, die unser WP-Beiratskandidat Frank Paulus aus München zum Nachdenken bereitstellt.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Michael Gschrei,
Beiratsmitglied der Mark Schüttler-Liste

Wie der WP-Mittelstand den Big4 und dem IDW das Feld überlässt?
Das Wahlergebnis
Nach der fünften demokratischen Wahl des WPK-Beirats ergibt sich folgende Sitzverteilung:

Auf den ersten Blick bestätigt das Wahlergebnis den erheblichen Einfluss der Big4 innerhalb der WPK. Betrachtet man jedoch die tatsächlichen Zahlen der Wahlberechtigten, entsteht ein vollkommen anderes Bild. Die eigentliche Stärke der Big4 liegt nicht in ihrer Anzahl von Berufsträgern, sondern in ihrer politischen Organisation.
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte
Die nachfolgende Übersicht verdeutlicht das tatsächliche Stimmenpotenzial der unterschiedlichen Gruppen.

Diese Zahlen sind der eigentliche Schlüssel zum Verständnis der Wahl.
Der mittelständische Berufsstand verfügt rechnerisch über ein mehr als fünffach größeres Stimmenpotenzial als die Big4. Dennoch gelingt es ihm nicht, dieses Potenzial in politischen Einfluss umzusetzen. Der Grund hierfür liegt nicht im Wahlsystem, sondern in der Wahlbeteiligung.
Während die großen Prüfungsgesellschaften ihre Berufsträger nahezu vollständig mobilisieren, bleibt ein erheblicher Teil des Mittelstands der Beiratswahl fern.
Politischer Einfluss entsteht jedoch nicht durch theoretische Mehrheiten.
Er entsteht ausschließlich durch tatsächlich abgegebene Stimmen.
Die Big4 haben Berufspolitik verstanden
Nach jeder Beiratswahl wird über den Einfluss der Big4 diskutiert.
Diese Diskussion greift jedoch zu kurz.
Die Big4 müssen sich ihren Erfolg nicht vorwerfen lassen. Im Gegenteil. Sie haben erkannt, dass berufsständische Selbstverwaltung nur dann gestaltet werden kann, wenn die eigenen Berufsträger Verantwortung übernehmen. Sie mobilisieren ihre Mitarbeiter und Partner, treten mit klaren Strukturen an und verfolgen ihre gemeinsamen Interessen über Jahre hinweg konsequent.
Genauso funktioniert demokratische Interessenvertretung.
Wer Einfluss gewinnen möchte, muss seine Wähler erreichen.
Wer gestalten möchte, muss sich organisieren.
Wer Verantwortung übernehmen möchte, muss auch wählen.
Die Big4 tun genau das.
Der Mittelstand schwächt sich selbst
Der Mittelstand dagegen verfügt zwar über die größere Zahl an Berufsträgern, nutzt dieses Potenzial jedoch immer weniger.
Die Wahlbeteiligung von lediglich rund 36 Prozent ist hierfür der deutlichste Beleg.
Fast zwei Drittel des mittelständischen Stimmenpotenzials bleiben ungenutzt.
Damit endet das Problem jedoch nicht.
Der Mittelstand verteilt seine Stimmen zusätzlich auf mehrere konkurrierende Listen. Unterschiedliche Gruppierungen werben um denselben Wählerkreis. Persönliche Unterschiede, regionale Interessen und historisch gewachsene Strukturen führen dazu, dass sich Stimmen gegenseitig neutralisieren.
Nicht die Big4 spalten den Mittelstand.
Der Mittelstand spaltet sich selbst.
Die Folge ist vorhersehbar.
Obwohl der Mittelstand über das deutlich größere Wählerpotenzial verfügt, gelingt es ihm nicht, dieses politische Gewicht wirksam einzusetzen.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem
Die politische Entwicklung wird zusätzlich durch den kontinuierlichen Rückgang der gesetzlichen Abschlussprüfung verstärkt.
Im Jahr 2010 gab es noch 4.451 gesetzliche Abschlussprüfer.
Im Jahr 2025 waren es nur noch 2.558.
Fast jeder zweite gesetzliche Abschlussprüfer hat die Prüfungstätigkeit aufgegeben.
Die Gründe hierfür sind innerhalb des Berufsstands seit Jahren bekannt. Qualitätskontrollen, steigende Dokumentationspflichten, umfangreiche regulatorische Anforderungen und eine zunehmend sinkende Wirtschaftlichkeit kleiner Prüfungsmandate haben viele mittelständische Praxen zum Rückzug aus der gesetzlichen Abschlussprüfung veranlasst.
Mit jedem Ausscheiden verliert der Mittelstand jedoch nicht nur Prüfungsmandate.
Er verliert zugleich engagierte Berufsträger, die sich traditionell mit Fragen der Selbstverwaltung und Berufspolitik identifizierten.
Dadurch verschiebt sich das politische Kräfteverhältnis weiter zugunsten derjenigen, die ihre Organisationsstrukturen erhalten und ihre Mitglieder aktivieren.
Die eigentliche Frage lautet daher anders
Es wäre einfach, den Einfluss der Big4 zu kritisieren.
Doch damit würde man Ursache und Wirkung verwechseln.
Die Big4 nutzen lediglich die Möglichkeiten, die ihnen ein demokratisches Wahlsystem eröffnet.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht:
Warum sind die Big4 so erfolgreich?
Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Warum überlässt der mittelständische Berufsstand ihnen dieses Feld seit Jahren nahezu kampflos?
Solange der Mittelstand nicht bereit ist, seine Wahlbeteiligung deutlich zu erhöhen, gemeinsame Interessen über persönliche Differenzen zu stellen und seine politische Verantwortung wahrzunehmen, wird sich an den Mehrheitsverhältnissen im WPK-Beirat wenig ändern.
Nicht weil der Mittelstand zu klein wäre.
Sondern weil er sein eigenes Potenzial nicht nutzt.
Fazit
Die WPK-Beiratswahl 2026 ist kein Beweis für eine Übermacht der Big4.
Sie ist vielmehr ein Spiegelbild der politischen Passivität des mittelständischen Berufsstands.
Die Big4 haben ihre Interessen professionell organisiert, ihre Berufsträger mobilisiert und ihre politische Verantwortung wahrgenommen. Dafür verdienen sie keine Kritik, sondern Anerkennung.
Der Mittelstand hingegen verfügt weiterhin über das zahlenmäßig größte Stimmenpotenzial innerhalb unseres Berufsstands. Dieses Potenzial bleibt jedoch wirkungslos, solange ein erheblicher Teil der Wahlberechtigten der Wahl fernbleibt und sich die verbleibenden Stimmen auf mehrere konkurrierende Listen verteilen.
Die wichtigste Lehre aus der Beiratswahl 2026 lautet daher nicht, die Big4 zu kritisieren. Die wichtigste Lehre lautet, dass der mittelständische Berufsstand seine politische Verantwortung wieder selbst wahrnehmen muss. Denn die Zukunft der WPK wird nicht von der Größe einzelner Marktteilnehmer entschieden – sondern von der Bereitschaft ihrer Mitglieder, Verantwortung zu übernehmen und ihre Stimme zu nutzen.
Danke fürs Lesen meiner Wahlbotschaft!
Ich grüße Sie herzlich
Ihr WP/StB Frank Paulus
Kandidat bei den Beiratswahlen 26
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Bildnachweis: Stock-Illustration: Trostinka_25/Shutterstock
