WPK-Beiratswahl beginnt Jahre vor dem Wahltermin!
Beitragsbild zum wp.weekly vom 15.07.26: "Warum die WPK-Beiratswahl schon Jahre vor dem Wahltag beginnt!" Bei der WPK-Wahl 2026 wurde der mittelständische wp-net Verband erneut die größte WP-Fraktion. Dies gelang trotz sinkender Abschlussprüferzahlen und einer geringen Wahlbeteiligung: Die Gründe hierfür analysiert Mark Schüttler.
Kategorie: Aktuelles
Datum: 15.07.2026

Vielen Dank für Ihr Vertrauen!

Die WPK-Wahl 2026 ist entschieden – und wir freuen uns sehr über das Ergebnis.

Herzlichen Dank an alle Wählerinnen und Wähler, die uns erneut zur größten WPK-WP-Fraktion (16 WP-Beiräte) gewählt haben. Dass mir die Wählerinnen und Wähler zum fünften Mal in Folge die meisten Stimmen anvertraut haben, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Das Wahlergebnis ist für uns Anerkennung und Verpflichtung zugleich. Seit wir 2010 die Briefwahl für die WPK-Beiratswahlen durchgesetzt haben, können wir die Interessen des mittelständisch geprägten Wirtschaftsprüferberufs noch wirksamer vertreten. Dass unsere Arbeit seit vielen Jahren geschätzt wird und wir erneut ein so starkes Mandat erhalten haben, erfüllt uns mit großer Dankbarkeit.

Wir werden dieses Vertrauen in den kommenden vier Jahren mit Engagement, Sachlichkeit und Verlässlichkeit rechtfertigen. Die Ziele und Inhalte, für die wir bereits vor der Wahl und insbesondere im Wahlkampf eingetreten sind, werden wir mit Nachdruck verfolgen und uns weiterhin mit ganzer Kraft für unseren Berufsstand einsetzen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen!

Lesen Sie nun die überraschende Analyse von Mark Schüttler: Beginnt die WPK-Beiratswahl möglicherweise nicht erst am Wahltag, sondern bereits Jahre vorher?


Es grüßt Sie herzlich
Ihr Michael Gschrei,
Beiratsmitglied der Mark Schüttler-Liste


wp.weekly

 


I. Das Wahlrätsel

Jede/r WP-Wähler/in hatte 2026 drei Stimmen mehr als 2022.
Trotzdem wurden insgesamt weniger Stimmen abgegeben. Wie passt das zusammen?

II. Erste Spur: Big 4

Der Blick auf die Big4 erklärt die fehlenden Stimmen jedenfalls nicht.
Beispiel KPMG.

Vergleicht man die Zahl der im Berufsregister eingetragenen KPMG-Wirtschaftsprüfer mit den auf die Liste Mattias Schmelzer entfallenden Stimmen, ergibt sich eine Größenordnung von rund 80 % der theoretisch möglichen Stimmen.

Das deutet auf eine hohe Mobilisierung innerhalb der Big4 hin.

Also muss die Ursache für die gesunkene Wahlbeteiligung woanders liegen.

III. Zweite Spur: Der Mittelstand

Dann haben wir die Stimmen außerhalb der Big 4 betrachtet. Dabei fällt auf:

2022 entfielen auf die übrigen Listen rund 118.000 Stimmen. 2026 waren es nur noch rund 115.000 Stimmen.

Und das, obwohl jedem WP 2026 drei Stimmen mehr zur Verfügung standen.

Die fehlenden Stimmen dürften daher überwiegend außerhalb der Big 4 liegen.

IV. Dritte Spur: Die Zahl der gesetzlichen Abschlussprüfer

Ein Blick in die Tätigkeitsberichte der Kommission für Qualitätskontrolle zeigt eine auffällige Entwicklung.

Die Zahl der gesetzlichen Abschlussprüfer sinkt seit Jahren.

2010: 4.451

2024: 2.623

Das entspricht einem Rückgang um rund 41 %.

Oder betrachtet man nur die letzte Wahlperiode:

2021: 3.033

2025: 2.558

Das sind in vier Jahren 475 gesetzliche Abschlussprüfer weniger, ein Rückgang um rund 16 %.

Dort könnte die Erklärung für die fehlenden Stimmen liegen.

V. Warum führt das zu weniger Wählern?

Das erscheint jedenfalls naheliegend. Wer seine Tätigkeit als gesetzlicher Abschlussprüfer aufgibt, beschäftigt sich auch weniger mit

  • Qualitätskontrolle,
  • Abschlussdurchsicht,
  • Berufssatzung,
  • ISA und
  • WPK-Berufspolitik.

Folge: Der Wahlzettel bleibt häufiger liegen.

VI. Warum geben immer mehr WP-Praxen ihre Prüfungstätigkeit auf?

Weil der Aufwand für gesetzliche Abschlussprüfungen seit Jahren steigt.

Viele mittelständische Praxen nennen hierfür insb.

  • Qualitätskontrolle
  • Abschlussdurchsicht
  • steigende Dokumentationsanforderungen
  • immer neue Anforderungen an das Qualitätsmanagement
  • Fehlende Differenzierung zwischen kleinen und großen Prüfungspraxen.

Jede einzelne Anforderung mag für sich genommen vertretbar sein.

In ihrer Summe führen sie jedoch dazu, dass immer mehr mittelständische Praxen ihre gesetzliche Prüfungstätigkeit aufgeben.

VII. Ein Teufelskreis

Weniger gesetzliche Abschlussprüfer.

Weniger Wähler aus dem Mittelstand.

Weniger Einfluss im Beirat.

Mehr Regulierung.

Noch weniger gesetzliche Abschlussprüfer.

Ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre zeigt eine eindeutige Richtung:

Zahl der gesetzlichen Abschlussprüfer:

2010: 4.451

2025: 2.558

Rückgang: −1.893 Abschlussprüfer (-43 %).

Parallel dazu gewinnen die großen Prüfungsgesellschaften bei den Beiratswahlen relativ an Gewicht.

VIII. Erkenntnis

Die WPK-Beiratswahl beginnt nicht erst am Wahltag. Sondern Jahre vorher.

Nämlich dann, wenn eine mittelständische Praxis ihre letzte gesetzliche Abschlussprüfung aufgibt.

Mit jeder aufgegebenen Prüfungstätigkeit schrumpft die Wählerbasis des Mittelstands.

Wer den gesetzlichen Abschlussprüfer im Mittelstand erhält, stärkt zugleich dessen berufspolitische Stimme.

 

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Mark Schüttler
wp-net-Listenführer 2026


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Bildnachweis: Stock-Illustration: Lightspring/Shutterstock

Mark Schüttler
Author: Mark Schüttler

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