Qualität und KfQK-Bewertung gehen getrennte Wege!
Beitragsbild zum wp.weekly vom 28.11.2025: Betreibt die KfQK mit ihren derzeitigen Statistiken und Tätigkeitsberichten WP-Prüfer-Bashing von Kollegen aus KMU-Praxen anstatt Fehlerkultur? Und warum werden Mängel bei den 16 großen WP-Gesellschaften (Big4 & Next-12) kaum benannt? Ein Bericht von Frank Marheinecke, Vorwort von Helmut Paulduro.
Kategorie: Aktuelles
Datum: 28.11.2025

Der jährliche Tätigkeitsbericht der KfQK (Kommission für Qualitätskontrolle) informiert die Öffentlichkeit u.a. darüber, wie es um die Qualität der Abschlussprüfung bestellt ist. Dabei treibt die KfQK mit der Qualitätsbeurteilung der KMU-Prüfer seit Jahrzehnten ein böses Spiel. Die KfQK-Mängelberichte vermitteln ein widersprüchliches Bild.

Die KfQK-Statistik zeigt eine deutliche Verbesserung der Prüfungsqualität – doch im Tätigkeitsbericht werden selbst beseitigte Mängel wieder in die Statistik aufgenommen. Sowas nennt man Prüfer-Bashing.

Das nachfolgende Weekly unseres Kollegen Frank Marheinecke aus Bad Homburg zeigt die tatsächlichen Entwicklungen auf und stellt Fragen nach dem Warum. Dazu richtet er die Bitte um Korrektur an die Verantwortlichen im KfQK-Tätigkeitsbericht.

Ich grüße Sie herzlich
Ihr
Helmut Paulduro, StB/RB/vBP/BW
Kandidat für die Beiratswahlen 2026

wp.weekly

 

Wir haben aus den sechs Tätigkeitsberichten (Qualitätskontrollzyklus) von 2019 bis 2024 folgende positive Entwicklung ermittelt:

Deutlich weniger Mängel!

Trotz weiter stark steigender Prüferqualität hält die KfQK am alten Verfahren fest. Auch beseitigte Mängel werden erneut statistisch erfasst. Begleitet wird dies von nicht haltbaren Standardfloskeln wie:

  • „Die festgestellten Mängel decken sich im Wesentlichen mit den Vorjahren.“
  • „Nichteinhaltung gesetzlicher Vorschriften, Nichtanwendung des risikoorientierten Prüfungsansatzes …“

Das liefert keinen Erkenntniswert, verhindert aber eine echte Fehlerkultur und erweckt den Eindruck eines Automatismus – unabhängig vom tatsächlichen Ergebnis.

Die laufende Botschaft – „Alles wie im Vorjahr“ – impliziert:

KMU-Praxen lernen nicht dazu.

Der Berufsstand würde sich sehr freuen, und die Kommission könnte ihr Ansehen beim KMU-Berufssand verbessern, wenn die beseitigten Mängel aus dem jährlichen Tätigkeitsbericht verschwinden würden.

Besonders schwer wiegt das KfQK-Versäumnis bei den Qualitätskontrollen von Big4 und Next-12, den sog. 16 großen Gesellschaften, in den Jahren 2020/2021.

Die KfQK schreibt im Tätigkeitsbericht 2022 – abseits des Mängelberichts – nur knapp, dass man sich „intensiv mit den besonderen Anforderungen an die Auftragsauswahl“ befasst habe. Statt pflichtgemäß im Tätigkeitsbericht über die besonderen Anforderungen und ihren Mängeln zu berichten, werden die KfQK-Erkenntnisse im WPK-Magazin veröffentlicht. Im Tätigkeitsbericht selbst fehlen jegliche Informationen zu den Ergebnissen der Auswertung der Großpraxen-Qualitätskontrollen.

Damit bleiben für mich zentrale Fragen offen, wie:

  • Weshalb berichtet die KfQK über die Prüfungsqualität der KMU-Praxen intensiv, während 16 Großpraxen aus dem Mängelbericht ausgeklammert bleiben?
  • Arbeiten die 16 Großpraxen wirklich fehlerfrei – oder werden ihre Ergebnisse bewusst nicht veröffentlicht?
  • Warum gibt es keine einzige Information über Mängel, Auflagen oder Auffälligkeiten bei den 16 Großpraxen?

Diese Auslassung wirkt nicht zufällig. Sie schafft ein Ungleichgewicht, das die Glaubwürdigkeit der KfQK schwächt und Fragen nach systematischen Verzerrungen aufwirft.

§ 20 Satzung für QK fordert den Prüfer für QK auf, seine Auftragsprüfungen unter Risikogesichtspunkten auszuwählen. Wenn die Big4 nur ca. 50 Aufträge von 30 000 bis 40 000 Prüfungen als Risikoaufträge auswählen, dann liegt eher ein Qualitätswunder vor. Wunder haben bei der QK nichts verloren. Wenn die Satzung es zulässt, gute Nachschauen als Ersatz für QK zu verwenden, dann erst recht braucht die Öffentlichkeit dazu einen Bericht der KfQK.

Der KMU-Berufsstand bleibt an der Klärung dieser Fragen dran!

Ich grüße Sie herzlich
Ihr Frank Marheinecke, WP/StB
Kandidat bei den Beiratswahlen 2026


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Bildnachweis: Stock-Illustration: ArmadilloPhotograp/Shutterstock

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