Die Beiratswahl 2026 läuft, die Wahlunterlagen sind verschickt, der 7. Juli rückt näher. Und in dieser entscheidenden Phase greift StB/WP Gero Hagemeister, Präsident des Kölner Steuerberater-Verbandes, zu einem bemerkenswerten Mittel: Er nutzt die VerbandsNachrichten (2/2026/S. 61) – also die Mitgliederzeitschrift des Verbandes, finanziert von allen Mitgliedern, nicht nur den Anhängern einer Liste –, um auf zwei vollen Seiten ausschließlich für die Liste Marcus Tuschen zu werben.
Das ist keine Information an die Mitglieder. Das ist Wahlwerbung mit Verbandsmitteln.
Besonders bemerkenswert ist das Engagement des Kollegen Hagemeister für die Liste Tuschen, auch deshalb, weil das Vorgängerteam bei der letzten Beiratswahl 2022 unter Dörschell-Liste nicht gerade einen Triumphzug erlebte. Für den Kollegen Tuschen reichte es bei den Wahlen 2022 mit der Dörschell-Liste mit 1948 Stimmen nur für Platz 37 von 45 Kandidaten.
Diesmal hat WP Tuschen eine 16-köpfige Liste zusammengestellt, in der auch WP Hagemeister dabei ist.
Es erstaunt gewaltig, dass StB-Verbände bei WP-Wahlen auftreten. Tuschen scheint sich wohl gedacht zu haben: Mit der Dörschell-Liste bleiben wir nur Stimmenlieferant, für den WPK-Beirat reicht es nicht. Wir machen uns selbstständig.
Diese Tuschen-Gruppe ist noch nie für die Wirtschaftsprüfung in Erscheinung getreten. Die Liste Tuschen hat die Grundschule noch nicht besucht, meldet sich aber schon für das Studium an.
Lesen Sie weiter den Text von André Hintz, wofür diese Liste steht.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr WP/StB Michael Gschrei,
Kandidat auf der WP-Schüttler-Liste

Was uns an der Hagemeister-Post stört?
Ein Berufsverband, wie hier der StB-Verband, der alle Mitglieder vertritt, hat die Aufgabe, seinen Mitgliedern eine informierte Entscheidung zu ermöglichen – nicht, ihnen eine Kandidatenauswahl vorzugeben. Wer als Präsident eines Verbandes seine eigene Reichweite nutzt, um nur eine von mehreren Listen zu bewerben, verlässt die Rolle des neutralen Mittlers und wird selbst zum Wahlkämpfer. Mit dem Unterschied: Er tut das mit einer Plattform, die ihm nicht für diesen Zweck zur Verfügung gestellt wurde. Hinzu kommt, dass WP/StB Hagemeister selbst auf der Tuschen-Liste kandidiert.
Zur Erinnerung: Die WPK-Beiratswahl ist eine Listenwahl unter mehreren ernst zu nehmenden Konkurrenten. Wer nur eine Stimme dafür bekommt, weil er die einzige Liste war, von der die Mitglieder über ihre eigene Verbandszeitschrift überhaupt etwas erfahren haben, gewinnt nicht durch das bessere Programm – sondern durch ungleichen Zugang zu Sichtbarkeit.
Was die Tuschen-Liste verspricht – und was sie auslässt
Das Programm der Liste Tuschen wird in den VerbandsNachrichten dargestellt. Was dort steht, ist nicht falsch – das muss man fairerweise sagen -: starke kleine und mittlere Kanzleien, Prüfung und Beratung aus einer Hand, skalierte Qualitätskontrolle, Nachwuchsgewinnung, Einheit des Berufsstands.
Klingt gut. Klingt nach Mittelstand. Nur: Es bleibt bei Überschriften.
Zu den Fragen, die für die mittelständische Praxis tatsächlich über die nächsten vier Jahre entscheiden, schweigt das Tuschen-Programm:
Finanzinvestoren in WP-Gesellschaften?
Sollen Private-Equity-Häuser künftig Gesellschafter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften werden dürfen? Eine der zentralen Weichenstellungen der kommenden Legislaturperiode – kein Wort dazu bei Tuschen.
Doppelstrukturen in der Aufsicht?
Die parallele Existenz von Qualitätskontrolle und Abschlussdurchsicht belastet gerade kleine Praxen überproportional. Auch hierzu: keine Position.
Transparenz beim Versorgungswerk?
- Wie entwickeln sich unsere Renten?
- Wie wird das Vermögen angelegt?
- Gibt es personelle Verflechtungen zwischen WPK und WPV?
Für viele Kolleginnen und Kollegen des Berufsstands eine Frage der eigenen Altersversorgung! Im Tuschen-Programm nicht thematisiert.
Differenzierung der Regulierung?
Die pauschale Gleichbehandlung aller Abschlussprüfungen unabhängig von Größe und Komplexität („an audit is an audit“) trifft kleine Praxen besonders hart. Auch dazu nichts Konkretes von der Tuschen-Liste.
Das Tuschen-Programm, das die großen Verteilungsfragen des Berufsstands ausspart, ist kein Mittelstandsprogramm – es ist eine wohlklingende Absichtserklärung.
Der Unterschied
Wir von wp.net stellen uns diesen Fragen, nicht nur kurz vor der Wahl, sondern das ganze Jahr über. Wir sagen und schreiben es öffentlich, mit klarer Haltung, nachlesbar auf unserer Website und in unseren wöchentlichen Newslettern.
Wer unser Programm liest, weiß, wofür wir stehen:
- Gegen Privat-Equity-Beteiligungen an Prüfungsgesellschaften,
- für eine schlanke, differenzierte Regulierung,
- für Transparenz beim WPV,
- für den Abbau überflüssiger Doppelstrukturen,
- usw.
Wir werben für unsere Positionen. Aber wir tun das auf unseren eigenen Kanälen – nicht über die Mitgliederzeitschrift eines Verbandes, der eigentlich alle vertreten soll.
Nutzen Sie Ihre 48 WP-Stimmen bzw. 9 vBP-Stimmen. Bis 7. Juli können Sie noch Ihren Stimmzettel abgeben!
Aber informieren Sie sich vorher selbst – und nicht nur dort, wo eine Liste den Raum für sich allein bekommen hat.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr WP/StB André Hintz
Kandidat auf der WP-Schüttler-Liste
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